Driftfischen auf der Dordogne

Von Matthieu Gentilhomme
Fotos: Erwan Balança

Driftfischen auf der Dordogne

Die großen Ströme, Flüsse und Bäche dieser Erde – beinahe jedes Gewässer wurde weltweit bereits entdeckt und befischt. Heutzutage sind die allermeisten Flüsse von menschlichem Einfluss und teils drastischen Eingriffen betroffen. Diese Wasserwege waren die ersten, die die Konsequenzen der industriellen Revolution zu spüren bekamen und für viele Flüsse stellt dies bis heute einen erheblichenVerlust der biologischen Vielfalt dar. Um mit möglichst vielen Mitstreitern dagegen zu halten, haben wir die Organisation „D’une rivière à l’autre!“ („Von einem Fluss zum nächsten!“) gegründet. Ihr Hauptziel liegt darin, durch lokale und naturbewusste Menschen, die Flüsse und Seen ihrer Region zu entdecken und zu schützen. Durch Fotoausstellungen, Filme, Bücher und Vorträge wollen wir Aufmerksamkeit generieren um zu verdeutlichen, dass unsere natürliche Umwelt es wert ist geschützt zu werden. Zum Start unserer Kampagne besuchten wir einen der größten und schönsten französischen Flüsse, die Dordogne, dessen Lauf ein Teil des UNESCO-Biosphärenreservates ist. Acht Tage haben Barbara, Erwan, Kir und ich am Ufer dieses besonderen Fluss gecampt und vom Driftboot gefischt.

Quel parcours?

Dieses Jahr war ein spektakulär schlechtes für französische Angler – kaum Niederschlag und  vertrocknete Bachläufe. Lediglich die großen Flüsse blieben einigermaßen fischbar denn viele von ihnen sind in ihrem Lauf von Dämmen reguliert. Wir mussten uns also den Gegebenheiten anpassen und uns einen Fluss suchen, der mit dem Boot noch beschiffbar war.  Der September wurde ausgesucht, unseren vollen Terminkalendern entsprechend und so machten wir uns auf, dem Lauf der Dordogne im Süden des Landes für etwa 80km zu folgen. Wir würden dabei die zwei Departments Lot und Dordogne durchqueren.

Unser vollgepacktes Auto wurde umgepackt in ein dementsprechend volles Boot. Wir konnten es kaum erwarten und waren extrem gespannt was uns auf dieser Flussfahrt erwarten würde. Wir wurden nicht enttäuscht – schon nach zwei Paddelstößen wirkt es auf uns, als würden wir auf der Oberfläche eines riesigen Aquariums schweben. Das Wasser ist kristallklar und man hat das Gefühl sich über zehn Zentimeter tiefem Wasser zu bewegen. Die Sonne, die während des gesamten Trips hinweg schien, in Kombination mit unseren polarisierten Brillengläsern verstärkt diesen Effekt sogar noch. Wir driften im Barbengebiet, der Bereich zwischen den Forellen- und Hechtregion. Es ist unfassbar – Barben wohin man schaut, Schulen von zehn, zwanzig, dreißig Fischen. Warum ans andere Ende der Welt fliegen, auf der Suche nach Bonefish, wenn man sie quasi hier zu Hause in solcher Zahl hat! Es sind einfach extrem spannende und unberechenbare Zielfische. Inmitten der Barbenschwärme finden sich auch Barsche, einige Hechte und Welse, Döbel und jede Menge kleiner Weißfische. Und glaubt mir – einen kapitalen Wels in klarem Wasser bei der Jagd zu beobachten, ist wirklich ganz großes Kino.

Nicht nur Wasser im Fluss…

Ich weiß nicht, wie es euch in solchen Momenten geht, aber ich kann meinen Blick nicht wirklich von der Unterwasserszenerie lösen, meine Augen scannen unentwegt und ich fürchte immer den ganz großen Fisch zu verpassen. Aber auf unserer Fahrt habe ich nicht nur im Fluss spektakuläre Dinge gesehen, ab und an habe ich auch nach oben geblickt. Ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll: ich entdeckte eine andere Welt. Eine fantastische, betörende Welt, bewohnt von ungewöhnlichen Lebewesen in allen möglichen Ausführungen. Hunderte von blauen Vögeln, die eigentlich nicht blau sind (Erwan hat es mir präzise erklärt) – ich spreche von den Eisvögeln (engl. „Kingfisher“). Hunderte Male rutsche ich am Ufer auf glitschigem Honig aus, (na gut, genau genommen handelte sich eigentlich um Otterkacke, zum Verwechseln ähnlich, riecht mal dran, dann wisst ihr’s…). Mehrmals rissen mich nachts die seltsamsten Schreie aus dem Schlaf, eine Mischung aus Fuchsgeräuschen, Biberratten, mal ein Kauz und mal ein jaulender Hund (Pardon, wenn es nach Barbara ginge, waren es ein Hirsch oder Reh). Bis dahin war ich ziemlich ignorant, was die bezaubernde Umgebung betraf und konnte meinen Blick kaum vom Geschehen unter Wasser lösen. Zum Glück machten mich meine Weggefährten deutlich darauf aufmerksam und ich begann mehr und mehr meinen Kopf sinnbildlich aus dem Wasser zu ziehen. Sie halfen mir die Komplexität dieses einmaligen Ökosystems zu verstehen und die Dordogne in allen Facetten wahrzunehmen.

Meinen neuen Blick ans Ufer genießend entdeckte ich eine Walnussplantage – dass mussten wir uns näher ansehen. Plötzlich jagte uns eine Gänseschar schnatternd über die Wiese, zum Glück eilte der Besitzer zu unserer Rettung herbei. Seine Gänse mähen den Rasen der Bio-Plantage, düngen ihn obendrein und sind zudem ein mit erneuerbaren Energien funktionierendes, unumgehbares Alarmsystem, wie wir selbst festgestellten. Die Nüsse, die wir, zusammen mit einer Ente an einem himmlischen Grillabend zubereiten, waren köstlich.

Um diesen Text kurzzuhalten, übergehe ich einige Details wie die Dörfer am Ufer von atemberaubender Schönheit, Schlösser, die in unerreichbaren Höhen erbaut wurden, die beispiellose Wärme und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen wir an der Dordogne begegneten. Im Nachhinein konnten wir eindeutig feststellen: Es gibt hier die Bereitschaft die Natur zu schützen, es gibt die Möglichkeit die Dinge anzupacken und zu ändern. Lasst uns für die Fische im Wasser sorgen, gesünder und bewusster essen und den ganzen digitalen Terror mal hinter uns lassen. Wir Angler können einen wichtigen Schritt machen. Wir kennen die Natur und ihre Vorzüge und Tücken, ihre bestialische Schönheit, ihre Ruhe, ihre Kraft. Lasst sie uns gemeinsam unterstützen. Wir hoffen, ihr schlagt euch auf unsere Seite.

Um diesen Text kurzzuhalten, übergehe ich einige Details wie die Dörfer am Ufer von atemberaubender Schönheit, Schlösser, die in unerreichbaren Höhen erbaut wurden, die beispiellose Wärme und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen wir an der Dordogne begegneten. Im Nachhinein konnten wir eindeutig feststellen: Es gibt hier die Bereitschaft die Natur zu schützen, es gibt die Möglichkeit die Dinge anzupacken und zu ändern. Lasst uns für die Fische im Wasser sorgen, gesünder und bewusster essen und den ganzen digitalen Terror mal hinter uns lassen. Wir Angler können einen wichtigen Schritt machen. Wir kennen die Natur und ihre Vorzüge und Tücken, ihre bestialische Schönheit, ihre Ruhe, ihre Kraft. Lasst sie uns gemeinsam unterstützen. Wir hoffen, ihr schlagt euch auf unsere Seite.

 

Homepage Erwan Balança → https://erwanbalanca.fr/

Homepage Matthieu Gentilhomme → http://riverwild.fr/

Facebook Matthieu Gentilhomme → https://www.facebook.com/matthieu.gentilhomme

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