Durch die Wildnis von Hokkaido

By Tomasz Talarczyk
Photos: Naoki Ogasawara

Destination:  Hokkaido/Japan
Target Fish:  Ito (Sakhalin Taimen)
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Big in Japan. Ito in der Wildnis von Hokkaido

Japan taucht nicht unbedingt in den Top-Ten der „Flyfish-Spots-an denen man gewesen sein muss bevor man stirbt“ auf, die so präsent und regelmäßig auf Fliegenfischer-Webseiten veröffentlicht werden. Aber seit ich vor zehn Jahren nach Asien gezogen bin, stand es definitiv auf meiner ganz persönlichen Bucket List. Das Japan meiner Vorstellung liegt allerdings fernab von den typischen touristischen Zielen wie Tokyo, Kyoto oder Osaka. Es ist eine besondere Gegend, die ich schon lange besuchen will – die zweitgrößte und nördlichste Insel Japans: Hokkaido.

Flyfishing in Japan

Fluss ohne Namen

Der kleine Bungalow, der für die nächsten vier Tage unsere Unterkunft sein sollte, war unwahrscheinlich bequem und übertraf meine Erwartungen. In der ersten Nacht schlief ich allerdings schlecht, was nicht nur mit meiner Aufregung sondern auch mit meiner Matratze zu tun hatte; ich war diese harten japanischen Betten nicht gewohnt. Der Wecker bereitete dem Wälzen um 3:30 ein willkommenes Ende. Ich schickte Naoki eine kurze Nachricht: Ob er schon wach sei? Natürlich war auch er wach – obwohl Naoki in seinem Leben schon hunderte Ito gefangen hat, ist er immer noch aufgeregt wie ein Kind wenn er zum Angeln fährt. Dieses Mal kam noch hinzu, dass er mir diese erste Erfahrung ermöglichen wollte, die für ihn schon eine Gewohnheit war. Ein anderer Angler war ebenfalls schon wach und gesellte sich zum Frühstück in der kleinen Bungalowküche, bevor er zu seinen geheimen Ito-Spots aufbrach. Ich fragte mich, ob es wohl genug Ito für alle geben würde, aber Naoki schien in dieser Hinsicht nicht beunruhigt, es gab schließlich etwa ein Dutzend kleiner und großer Flüsse und viele Seen und Bachläufe in der Gegend – was ihn allerdings schon beunruhigte, war der heftige Regenfall der letzten Tage.
Der erste Fluss war komplett trüb und aufgewühlt. Naoki sagte, dass es einen Nebenarm gäbe der wahrscheinlich klares Wasser führen dürfte – aber auch hier war die Situation ähnlich. Meine Hoffnung, einen mächtigen Fluss-Taimen zu fangen, schwand, aber Naoki lächelte und sagte, es gäbe noch einen Nebenarm vom Nebenarm. Ich fragte ihn nach dem Namen und er sagte: „Ich nenne ihn den Fluss ohne Namen.“ Wir kamen an einem Bach vorbei, der so aussah wie die Bachläufe die ich aus den Staaten kenne, und in denen man regelmäßig Bachforellen findet. Naoki informierte mich kurz darüber, dass dies unser Fluss des Tages sein sollte. Das Wasser war definitiv klar – nur gab es nicht wirklich viel davon. Auf jeden Fall nicht genug für eine 9er Rute und die 6-Inch Fliegen, die ich hierfür vorbereitet hatte. Mit Kanonen auf Spatzen… Aber gut, irgendwie muss ich damit hier schon klarkommen. Wenn ich eines auf meinen Reisen, beim Fischen an unterschiedlichsten Spots gelernt habe, dann das: Zweifle niemals an deinem Guide! Ich musste es jetzt und hier versuchen. 30 Meter flussabwärts ging es in eine Kurve und das Wasser wurde etwas tiefer – zumindest so tief, dass man den Grund nicht mehr erkennen konnte. Dann sagte Naoki: „Ito Spot.“ Mein Herz fing an zu pumpen.
Dichtes Geäst wuchs über und hinter mir, also blieb mir als einzige Möglichkeit der Bow&Arrow-Cast – den ich nicht konnte, weil ich ihn noch nie geworfen hatte. Aber irgendwie landete die Fliege dann doch im Wasser. Ich ließ sie sinken und schon nach ein paar Sekunden spürte ich den ersten Ruck eines kräftigen Fischs. Ein gewaltiger 1m+ Ito rollte an der Wasseroberfläche und meine Schnur verlor sofort an Spannung. Der Fisch war davon. Zwei Stunden arbeiteten wir uns langsam flussabwärts und warfen jeden verheißungsvollen Spot an – leider glücklos. Es fing wieder an zu regnen, dicke, schwere Tropfen klopften auf die Wasseroberfläche und der Wasserspiegel stieg zusehends an. Ich fürchtete, dass sich das kurze Zeitfenster schließen würde, bevor dieser Fluss unfischbar sein wird. Wir erreichten einen wunderschönen Spot, an dem sich der Fluss um eine kleine Insel herum teilte – dahinter ein recht großer Pool. Mein erster Wurf war etwas zu kurz, doch der zweite glückte perfekt und die Fliege landete punktgenau in der Ecke des Pools. Die Strömung drückte meine Fliege zur Oberfläche, ich strippte sie in Richtung der Poolmitte und nahm plötzlich eine Silhouette hinter ihr war. Die Fliege verschwand und diesmal setzte ich den Haken richtig. Auch dieser Fisch rollte an der Oberfläche und versuchte anschließend in Richtung der überhängenden Böschung zu flüchten. Diesen ersten Lauf konnte ich herzklopfend stoppen und bekam langsam ein wenig Schnur zurück. Hinter mir wartete Naoki schon, bereit zu Landung. Schließlich gab der Fisch auf und mein Freund konnte ihn endlich einnetzen. Ich ließ meine Rute fallen und brüllte wie King Kong. Der Fisch war keines der Monster, von denen mein Guide mir berichtet hatte, aber trotzdem: Ein stattlicher männlicher Ito! Ein paar schnelle Fotos später setzten wir den Fisch zurück und machten uns auf den Weg zurück zum Auto. Der Fluss ohne Namen hatte geliefert!
In den nächsten drei Tagen blieb das Wetter weiter unverändert regnerisch und die meisten potentiellen Flüsse führten sehr schmutziges Wasser. Aber wir fanden dennoch ein paar befischbare Gewässer und am Ende fing ich noch einige weitere Ito sowie eine Handvoll herrlicher weißgefleckter Saiblinge (Salvelinus leucomaenis). Immer wieder konnte ich ein paar richtig große Fische flussaufwärts schwimmen sehen, was meine Vorfreude darauf zurückzukommen nur vergrößerte.
Es war ein fantastischer Ausflug an einen magischen Ort mit einem kundigen, liebenswerten Guide, der schnell mein Freund wurde. Hoffentlich können wir uns bald alle wieder frei bewegen – und ich kann wieder die Power der mächtigen Fluss-Taimen spüren, die Wildnis auf Hokkaido genießen und für Stunden über nichts anderes als Angeln reden.

Spinfishing in Japan

The no-name river

The small lodge that would be our home for the next four days overwhelmingly exceeded my expectations, though I could not fall asleep that first night; not only because I was too excited, but also because my back was not sufficiently accustomed to the hard Japanese beds. My alarm clock went off at 3:30. I quickly sent Naoki a message to see whether he was awake. Of course, he was. Despite already having caught hundreds of giant Ito in his life, he still gets extremely excited every time he goes fishing. This time he had another incentive, to help an Ito first-timer get the fish of his dreams. We shared the breakfast table with another angler, he nodded to us before setting out to fish his secret spots. I wondered whether or not there were enough Ito to go around. There are dozens of bigger and smaller rivers, creeks and lakes scattered in the area. There is plenty of room for multiple anglers, so Naoki didn’t seem worried that we were not alone. What did worry him was the heavy rain that had fallen the previous few days.
The first river was totally blown out. Naoki mentioned a tributary nearby which he thought should be clear. It wasn’t. My hopes of catching the mighty sea-run Taimen were diminishing. My friend smiled and said there was a tributary to the tributary and we should check it out. I asked him about the name of the river and he responded: “I call it the no-name river.” We came across a stream that looked like something I would expect to find brook trout in back in the States. Naoki informed me that this was our river for today. It sure had clear water, but not much of it. At least not enough for a 9 wt rod and the 6-inch flies I had prepared for this occasion; the artillery I had brought was way too heavy, but it was all I had. Though I have learned one thing throughout the years of traveling and fly fishing in various places around the world: never question your guide. I was ready to give this creek a shot. About 30 meters downstream the river turned and the water got a bit deeper; deep enough so that I could not see the bottom any longer. My guide said “Ito spot” and my heart started pounding.
I had low hanging branches behind and over me so the only way I could cast was the bow and arrow technique. I had never tried it with a 9 wt before, but somehow the fly landed in the water. I let the fly sink and on the first strip I felt the sweet tug of a mighty fish. A meter-long Ito rolled on the surface, my line went slack immediately. The fish came off. We fished for another two hours walking slowly downstream, casting at the best spots without any luck. It started raining heavily and the water started rising quickly. I was afraid the little stream would become unfishable before long, without us catching anything in the meantime. We arrived at a gorgeous spot where the creek split around a small island with a sizable pool behind it. My first cast came a bit short. On my second cast, my fly landed at the edge of the pool, which is exactly where I wanted it. The current pushed my fly closer to the surface and as I stripped it closer towards the middle of the pool, I noticed a fish silhouette right behind it. My fly disappeared and this time I set the hook right. The fish rolled on the surface a couple of times and then went for the overhanging canopies. I was able to stop its initial run and slowly regain some of the line. Naoki stood behind me ready to land the fish. Soon it gave up and my friend scooped it with the net. I dropped my rod and let out a primal roar. The fish was not the monster that my host is used to catching, but it was still a solid male Ito. After a quick photo session the fish was released and Naoki and I headed back to the car. “The no-name river” delivered!
The weather didn’t change over the next three days, so the majority of the rivers Naoki planned to fish were unfortunately blown out, but we were able to find some fishable water and I ended up catching a few more Ito and a handful of gorgeous white-spotted char (Salvelinus leucomaenis). During the time I spent on the water I saw a couple of giant fish pushing upstream which makes me even more anxious to return.
It was a fantastic trip to a gorgeous place with an awesome guide who quickly became my dear friend. Hopefully, we are allowed to travel freely again soon. Then I’ll return to feel the power of the sea-run Taimen at the end of my line, enjoy the Hokkaido wilderness and talk fishing for hours once more.

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