Jason Borger – Die lebende Legende

Ein Interview von Aleksandar Vrtaric

Jason Borger – Die lebende Legende

When it comes to modern fly fishing, there are some people we can only admire and learn from. Jason became involved in fly fishing the second he was able to walk. Literally, that is. He got so keen on fly fishing, he had his first fly fishing article published at the age of 13, his first video at the age of 16. Jason Borger is a living legend whose life is completely dedicated to fly fishing. A writer, contributor to numerous magazines and publications, co-founder of the Fly Casting Institute, educator and fly fishing consultant, easily one of the best fly casters on the planet and (for many of you this might be the most interesting part) a double for quite a few commercials and films, including THE film. The one! Yes, the one most of you fishing crazed people must have seen. Take a wild guess! It’s the one with those beautiful fly casting scenes, including the timeless “shadowcast”. By now you know it’s Robert Redford’s “A River Runs Through It” and yes, Jason was the guy who doubled for both Brad Pitt and Craig Sheffer.

Es gibt in der modernen Fliegenfischer-Szene einige wenige Angler, die uns normalen Sterblichen ein gutes Stück voraus sind, von denen man so Einiges lernen kann und die man durchaus bewundert. Jason ist so ein Mensch – kein Wunder, wenn jemand das Fischen wortwörtlich mit dem Laufen gelernt hat. Seinen ersten Artikel zum Thema veröffentlichte er bereits mit 13, das erste Video kam drei Jahre später. Ein Leben, dass sich ausschließlich auf das Fliegenfischen fokussiert. Es bräuchte mehr als ein paar Seiten um Jason Borger vorzustellen und so versuche ich es in einigen Zeilen. Er schreibt für diverse internationale Magazine, ist Mitbegründer des Fly Casting Institutes und als Ausbilder und Berater für Fliegenfischerei unterwegs. Nebenbei gilt er als einer der besten Caster auf diesem Planeten und so hat Jason in einigen Commercials und Filmen mitgewirkt, unter anderem in DEM Film. Den einen, den ihr garantiert alle gesehen habt! Fantastische Aufnahmen vom Fliegenfischen, inklusive dem zeitlosen „Shadowcast“…

Na, klingelt‘s? Richtig, wir sprechen von Robert Redford‘s „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ und ja, Jason Borger war das Wurf-Double für Brad Pitt und Craig Sheffer. Aber damit nicht genug – Jason illustriert und malt, er hat als professioneller Designer diverse Kunstwerke rund um das Thema Fliegenfischen geschaffen, zudem hat er einen akademischen Abschluss im Bereich Film- und Fernsehproduktion. Kurzum: Er ist ein Mann mit extrem vielseitigen, fast schon unfairem Talent. Gleichzeitig ist er ein überaus angenehmer, zurückhaltender Mensch und unglaublich interessanter Gesprächspartner, jemand der viel erreicht und zu erzählen hat und dabei kein bisschen abgehoben wirkt. Und so erklärte sich Jason auch sofort bereit für SCALE einige Fragen zu beantworten. Here we go!

Unter Fliegenfischern ist man sich sicher: Wenn man einmal damit begonnen hat, gibt es kein zurück, man ist dann Fliegenfischer und bleibt es sein Leben lang. Kannst du dich an deinen ersten Angelmoment erinnern? An den Tag, an dem alles anfing?

Meine erste Erfahrung mit dem Fliegenfischen (also auswerfen, haken, landen) fand lange vor meinem Erinnerungsvermögen statt. Ich schaue mir immer noch gerne die alten Fotos an und ich bin mehr als einmal wieder an mein Heimatgewässer zurückgekehrt. Ich würde sagen, genau hier hat es mich gepackt.

Meine frühesten Erinnerungen habe ich an die kleinen Bäche in Wisconsin, USA, dort bin ich aufgewachsen. Funkelnde Sonnenstrahlen, gleißend in den Wellen, der Schlupf im Frühling und Forellen, glänzend wie Diamanten.

Es gibt aber ein Erlebnis, das mich in meiner Jugend ganz wesentlich beeindruckt hat – meine erste 70cm-Browntrout, gefangen in Wyomings oberem Green River. Wer diese Gegend kennt, weiß, wie wild und frei es sich dort anfühlt – die Berge zerklüftet und wie in die grüne Landschaft geschrammt. Ein Bild, dass sich eingebrannt hat, die perfekte Kulisse für diesen einen Moment, den ich nie vergessen werde.

Für manche ist es eine Leidenschaft, andere nennen es Lifestyle, wieder andere sind süchtig und können sich ihr Leben ohne Fliegenfischen nicht vorstellen. Wie ist es bei dir?

Es ist ein Teil von mir, immer.

Fliegenfischen ist natürlich auch Inspirationsquelle. Gibt es ein Bild von dir, auf das du besonders stolz bist?

Also, ich bin nicht mein größter Fan. Ich hänge meine Bilder nicht in mein Wohnzimmer. Wenn ich jetzt trotzdem ein bestimmtes nennen müsste, dann vielleicht ein kleiner Aquarell-Sketch, den ich vor Jahren mal als Provision für jemanden gemacht habe – ein schneller Entwurf eines Forellenkopfes, der irgendwie besonders gut aufs Papier gefunden hat, den sehe ich mir gerne noch ab und zu an. Lieber aber schaue ich mir die Arbeiten anderer an, derjenigen die ebenfalls das Fliegenfischen im Portfolio haben: ein paar meiner Lieblingskünstler sind Jack Cowin, Eldridge Hardie, Galen Mercer, Ogden Pleissner, Chet Reneson, und hinter der Kamera Julien Pouille. Es gibt noch viele mehr, die ich für ihre Werke schätze, dies sind nur einige die mir spontan einfallen.

 

Dein neuestes Buch heißt „Single-Handed Fly Casting“, dazu habe ich ein paar Fragen. Was bedeutet die modulare Herangehensweise beim Fly-Casting? Hast du das Buch selbst illustriert und wo kann man es in Europa erwerben?

In SHFC sind meine Studien und praktischen Erfahrungen des Fly Castings auf 300 Seiten komprimiert. Man könnte auch sagen, das Langweiligste was man je gelesen hat – es sein denn, man ist Fly Caster.

Und die modulare Herangehensweise ist im Grunde nur eine anderer Blick auf die eigenen Fähigkeiten beim Fliegenfischen. Es geht darum die physischen Abläufe zu vereinfachen und verständlich zu machen. Diese vereinfachten Herangehensweisen und Konzepte können dann nach eigenem Gusto kombiniert und genutzt werden. Man könnte auch sagen, Fliegenfischen ist ein umfassendes Sammelsurium an komplizierten Skills – wenn man es erlernen will, kann es einen schon mal erschlagen. Bei der modularen Methode teilt man die komplexe Materie in verschiedene Lernpakete auf.

Und ja, die Illustrationen sind von mir, ebenso das Layout. Die Bilder basieren alle auf slow-motion HD-Videos, das macht sie sehr präzise was die Körper- und Armhaltung angeht, außerdem sind sie korrekt dargestellt in Bezug auf Rute und Schnur. Ich bevorzuge Illustrationen weil man bei ihnen gut auf den Punkt bringen kann, was man zu zeigen oder erklären versucht – ohne den ganze visuellen „Lärm“, der stets in Fotos und Videos zu finden ist. Man kann besondere oder wichtige Stellen gut hervorheben, das ist allerdings eine unglaubliche Arbeit. Ein paar Exemplare des Buches müsste es auch noch in Europa geben, Springforelle.de hat damals eine Sonderbestellung aufgegeben.

 

Kannst du uns ein paar Basistipps zum Fly Casting geben? Denkst du, dass mit der richtigen Ausbildung aus jedem ein großartiger Caster werden kann?

“Meine grundlegendste Richtlinie ist: Beschleunige die Rute gleichmäßig und möglichst reibungslos. Alles weitere kann auf dieser Basis aufgebaut werden.

Ich habe als Casting-Ausbilder mittlerweile gelernt, Worte wie ‚großartig‘ mit Vorsicht zu behandeln. Mit den richtigen Instruktionen und viel Übung kann aus jedem ein kompetenter Angler werden, ja. Also jemand der verschiedene anglerische Herausforderungen meistern kann. Ich habe auch noch nie zu mir selbst gesagt: „Yeah, du bist einfach zu gut im Casting!“. Es gibt immer die Möglichkeit noch besser zu werden, die Technik weiter zu verfeinern, insbesondere wenn man ständig neue Herausforderungen sucht.

„In der Mitte entspringt ein Fluss“ war für dich nicht nur eine Erfahrung, es ist ein gravierender Teil deines Lebens geworden, sogar heute nach 26 Jahren. Wie war das damals für dich? Woran erinnerst du dich gerne und wie fühlt sich die Geschichte heute an? Und was für Typen sind Robert Redford, Brad Pitt und Craig Sheffer?

Als das Projekt damals ins Leben gerufen wurde, war ich kurz davor mein Filmstudium abzuschließen. Es war perfektes Timing. Einen von Norman Maclean geschriebenen Klassiker filmisch zu erzählen, unter dem endlosen Himmel von Montana, mit einer von Robert Redford geführten Besetzung und Crew? Als 21-Jähriger, der seine Zeit zumeist mit Fliegenfischen, Bier trinken und Fahrrad fahren verbringt? Kneif mich, habe ich gedacht, ein Traum.

Ich glaube in all den Tagen, die ich damals am Set verbracht habe, war die Shadowcast-Szene der intensivste Moment. Ich war Brad Pitts Double und wir filmten am Gallantin River, nur ein paar Meilen entfernt von dem Ort, an dem ich damals meine erste Forelle aus dem Wasser gezogen habe. Ich stand auf einem Felsen, der gewaltige Himmel über mir und es fühlte sich an als würde sich ein Kreis schließen. Dieses Bild, die Impression, die Zeit und dieser Ort haben sich tief in meinen Kopf gegraben. Diese Zeit hat bei mir einen wirklich sehr persönlichen Eindruck hinterlassen, nie wieder habe ich das Fliegenfischen oder diesen Fluss mit denselben Augen gesehen.

Die Geschichte des Films ist mir immer noch sehr nah. Heute sogar in Teilen mehr als damals. Eine Art Melancholie, der Rückblick auf ein Gefühl, die Frage was hätte sein können. Wer älter wird, kennt das.

Und die Arbeit mit Robert Redford war ein großes Vergnügen. Ich schätzte ihn als Menschen und als Regisseur, er sorgte dafür, dass ich mich immer willkommen und aufgehoben fühlte an seinem Set, obwohl ich ja eine verhältnismäßig unwichtige Rolle spielte. Auch die Zusammenarbeit mit den Schauspielern hat mir sehr gefallen, Brad hat die „Angelarbeit“ sehr ernst genommen (wenn man den größeren Kontext des Films bedenkt) und Craig ist, glaube ich, im Herzen ein Poet. Die Rolle des Norman hat hervorragend gepasst.

Ich muss noch mal nach der legendären Shadowcast-Szene fragen: Was war die Idee dahinter und wie schwer war es die Wurftechnik für den Film umzusetzen?

Der Cast hat mehrere Bedeutungen, im Roman treten sie noch deutlicher hervor als im Film. Während es angeltechnisch darum geht, die Forellen zum steigen zu verführen (was etwas von einem Zaubertrick hat), geht es filmsprachlich darum die beiden grundverschiedenen Brüder Paul und Norman und die Spiritualität, die für die beiden vom Fliegenfischen ausgeht, zu zeigen. Erzählt wird diese Geschichte vom hochbetagten Norman, dessen Freunde und Bekannte seiner Jugend mittlerweile fast alle tot sind, der aber noch immer am Fluss seiner Familie fischt und sich so erinnert.

Etwas pragmatischer: der endgültige Cast ist zusammengesetzt aus verschiedenen Wurftechniken, der Input vieler Fliegenfischer hat dazu beigetragen und am Ende kam es dann einfach so zusammen. Die Schwierigkeit bestand darin, den Doppelzug im ungelenken Backhand Cast zu verschleiern, um den Wurf zeitgetreu erscheinen zu lassen. (Aber wer kann schon sagen, ob sich nicht bereits Paul Maclean eine Variante der Zugunterstützung ausdachte).

Was für Tackle wurde in dem Film verwendet?

Sowohl ein bisschen Oldschool-Tackle als auch modernes Zeugs – letzteres wurde so modifiziert, dass es für die Kamera alt aussah und wurde gewöhnlich für Aufnahmen aus mittlerer oder großer Entfernung genutzt, wie zum Beispiel bei der Shadowcast-Szene. Ich habe es tatsächlich geschafft, zwei der Vintage-Ruten während der Filmarbeiten zu zerbrechen – was mich entweder sehr authentisch hat aussehen lassen oder aber wie einen kompletten Vollidioten. Da bin ich mir immer noch nicht ganz sicher.

Wie sieht der perfekte Angeltag aus? Welche Techniken sind dir die liebsten und welche Gewässer befischt du mit der größten Freude?

„Perfekt“ ist schon ein großes Wort und müsste für mich ganzheitlich gemeint sein. So ein Tag sollte alle meine Sinne ansprechen: Ein spezieller Angelspot mit seiner Aussicht, Gerüchen, Geräuschen und Texturen. Dazu kommen Speisen und Getränke die zum Tag passen und sich richtig anfühlen. Natürlich möchte ich auch Fische fangen, zumindest so, dass das Casten nicht exorbitant das Fangen überwiegt. Einer der Fische dürfte gerne herausstechen (aus welchem Grund auch immer) um mir eine besondere Erinnerung zu bescheren. Und ich finde es wichtig, sich auch in Fragen der Begleitung richtig entschieden zu haben – war es ein Tag entspannter Einsamkeit oder eine gesellige Runde?

Meine Lieblingsgewässer sind all diejenigen an denen ich auf Sicht fischen kann. Ich bevorzuge flache, stille Uferbereiche (Frisch- oder Salzwasser) oder gut strukturierte, nicht allzu steile Quellbäche. Individuelle Fische, die ich in glasklarem, flachen Wasser spotten und anwerfen kann, das ist genau mein Ding.

Was hörst du so für Musik und was sind deine Lieblingsbands?

Ich würde meinen Musikgeschmack als ziemlich vielseitig beschreiben, sowohl was das  Genre angeht als auch die verschiedenen zeitlichen Epochen. New Wave, Jazz, Post-Rock. Oder mal Trance oder Baroque oder oder… Ich bin mitten in den 80ern aufgewachsen  und die Bands dieser Zeit nehmen auch heute noch einen besonderen Platz ein. Manche von ihnen bereichern noch immer meine Playlist mit neuen Songs. Ich habe aber auch eine besondere Vorliebe für elektronische Musik.

Wenn ich mich hier und jetzt für eine Band entscheiden müsste, dann wäre es Hammock. Post-Rock/Ambient, der mich wirklich auf verschiedensten Ebenen berührt.

Wie steht’s mit Literatur?

Mein allerliebstes „Angelbuch“ ist The River Who von David James Duncan. Vielleicht auch auf Grund des Publikationsdatums, es erschien schließlich in meiner Teenager-Zeit, und der Art und Weise wie sich die Dinge in meinem damaligen Leben (real und in meiner Fantasie) in die Story des Buches einflochten. Immer noch greife ich es mir regelmäßig aus dem Bücherregal und bin dann unansprechbar.

Jason, vielen Dank für dieses Interview und viele Grüße von der SCALE Crew!

Danke für die Fragen! Ich stehe auf das Magazin und freue mich schon auf die nächsten Ausgaben. Beste Grüße!

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