Patagonia Forra Wading Boots by Fitwell

Patagonia & der Italian Job

Text und Outdoor Fotos Frank Steinmann

„Mille viae ducunt hominem per saecula Romam“, sprach Alanus de Insulis (etwa 1120 – 1202) und bezog sich damals auf das christliche Rom unter der päpstlichen Doktrin als Pilgerziel für eine Vielzahl antiker Wanderer. Je nach bestrittenem logistischem Aufwand mag diese Wegstrecke so manche historische Sandalette ihr Leben gekostet haben. Ob dies ein frühzeitlicher Anreiz gewesen sein mag, der den Standard, den handgemachte italienische Schuhe heute noch weltweit genießen, definiert, mag ich nicht beziffern. Eine Tatsache ist jedenfalls, dass Schuhe „made in Italy“ in der Regel exemplarisch für Handwerkskunst und Qualität stehen.

Dies dachten sich auch die planerischen Köpfe im Hause Patagonia, und somit wurde das aktuelle Watschuh-Modell „Forra“ kurzerhand zur Produktion in Italien veranlagt. Als Partner suchte man sich niemand Geringeres als die Traditionsmarke Fitwell, die bereits seit den späten 70er Jahren Schuhwerk für den Alpinisten per Hand fertigt. Das Unternehmen ist aktuell ein selbsternanntes 4.0 Matriarchat, nachdem 2020 die Tochter Marika des einstigen Gründers Guiliano Grotto, die Firma übernahm.

Fitwell-Schuhe sind primär im Outdoorsektor angesiedelt und genießen weltweit einen guten Ruf unter all den Bergsteigern, Kletterern, Canyonisten, Paraglidern, Jägern und jetzt wohl auch den Anglern. Die per Hand gefertigten Schuhe werden unter Einbeziehung zeitgemäßer Materialien und Konzeptionen wie Cordura, Vibram, Air Move oder auch Prima Loft, um nur einige zu benennen, angefertigt.

Für Patagonia, als Verfechter nachhaltiger und sozial gerechter Produktionswege, ist die Lokalität in Italien natürlich ein großer Vorteil, wenn es um kurze Lieferwege innerhalb Europas geht. Dies sollte auch dem Endverbraucher einleuchten, wenn er als Träger des feinen Schuhwerkes seinen CO₂ Fußabdruck nachverfolgt.

Bleiben wir beim antiken und orthopädischen Fachjargo: Die Achillesverse unserer Watausrüstung stellen nunmehr die Watschuhe, respektive unsere Wathosen dar. Belastung und Abnutzung von beiden Elementen sind massiv und wenn man dem kakofonischen Wirrwarr von selbsternannten Kennern und Testern auf allen möglichen Plattformen der sogenannten Sozialen Medien Beachtung schenken mag, gibt es entweder nichts was hält oder man gewinnt den Eindruck, dass persönliche Markenbilanzierung den ein oder anderen Profi umtreibt, ein bestimmtes Produkt zu bewerben.

Patagonia gelang mit den Danner-Boots ein kleiner Meilenstein in Sachen Langlebigkeit und Qualität, die Preisentwicklung bei diesen Prime-Watschuhen hat sich im letzten Jahr auch deutlich kundenfreundlicher eingepegelt, somit schauen wir gespannt, was der Forra Wading Boot, der mit 250 € UVP zu Buche schlägt, zu bieten hat!

Ich hatte Gelegenheit den Schuh seit nunmehr 6 Wochen ausgiebig zu testen, zum einen beim Fischen in den Julischen Alpen, was mehr unter der Prämisse Freizeit-Luxus abgelaufen ist, aber auch bei meiner täglichen Arbeit als Gewässerökologe in weitaus weniger pittoresken Gewässern. Natürlich kann ich nach diesem kurzen Zeitraum keine Aussage bezüglich der Langlebigkeit der Forra Boots treffen! Abnutzungen und Verschleiß sind eben Vorgänge, die Zeit in Anspruch nehmen, im Idealfalle relativ viel davon und natürlich auch mit anderen, individuellen Faktoren korrelieren: Körpergewicht des Trägers, regelmäßige Pflege und unmittelbare Trocknung der Schuhe, um nur ein paar Faktoren zu benennen.

Mit 1162 Gramm sind die Schuhe recht leicht und damit sehr angenehm zu tragen. Wer auch 2022 immer noch den Globetrotter mimt und die Ansicht vertritt, Fernreisen mit dem Flieger passen gut zum globalen Klimageschehen und dem proklamierten Naturverständnis eines Anglers, freut sich natürlich besonders über das geringe Gewicht der Schuhe.

Wer viel Strecke beim Fischen zurücklegt, dabei wandert, klettert, von Stein zu Fels springt oder eben Trekking und Fischen kombiniert, wird ebenfalls seinen Gefallen an der leichten Konstruktion der Schuhe finden. Der relativ hohe Schaft der Boots umschließt und stützt das Fußgelenk und bietet in Kombination mit der Vibram-Sohle ein sicheres Gefühl, gerade wenn man sich auch auf unbekanntem Terrain bewegt. Die Dämpfung der Sohle ist grandios und ermöglicht ein ermüdungsfreies und schonendes Waten und Laufen. Das Obermaterial der Forra Boots besteht aus einem robust wirkenden Cordura-Mesh, das schnell abtrocknet und sich nicht unnötig mit Wasser vollsaugt, somit bleibt das Gewicht der Schuhe stets relativ gering. Die Schnürungsvorrichtung ist variabel einstellbar und die dazugehörigen Beschläge sind rostfrei und abriebfest konzipiert.

Der Übergang von der Sohle zum Oberteil der Schuhe ist gummiert und verklebt. Inwiefern diese Kante, die wohl der stärksten Belastung durch das Abrollen im Vorderfuß ausgesetzt ist, einen neuralgischen Punkt darstellt, wird sich erst beim Langzeiteinsatz der Forra Boots zeigen! Der Zehenbereich ist durch die ebenfalls gummierte Kappe gut gegen Stöße geschützt.

Was das Design der Schuhe anbelangt, so wird der ein oder andere vielleicht mäkeln, dass ihm die Schuhe zu „unisex“ anmuten, mit ihren violetten Schnürsenkeln und dem floralen Dekor der Fitwell-Company auf der Zehenkappe. Aber ganz im Ernst, dann tauscht die Senkel einfach gegen ein neutrales Paar aus und klebt euch ’nen FC St. Pauli-Sticker über das Blümchen. Der Schnitt der Schuhe ist zeitgemäß und sportlich, nicht klobig oder irgendwie an eine Mars-Expedition erinnernd.

Resümierend kann ich nur sagen, dass ich die Forra Boots wirklich sehr gerne trage und sie als komfortabel, bequem, robust und hochwertig bezeichnen möchte! Für die bereits erwähnten 250€ erhält man qualitativ hochwertige und nachhaltig produzierte Watschuhe, die eigentlich keine Wünsche offen lassen. Macht euch selbst ein Bild von den „leichten Italienern“ und probiert ein Paar beim Händler eures Vertrauens an, ich bin mir sicher, da kommt unmittelbar Amore ins Spiel.

Weitere Features zu Material und Verarbeitung entnehmt ihr der Patagonia Homepage.

https://eu.patagonia.com/

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