SEAKNIVES von Windmühlenmesser

Getestet von MATTHIAS VAN REIMERSDAHL

Wenn ich mir neue Messer auf Messen, in den Schauräumen von Fabriken oder bei Kollegen anschaue, dann verspüre ich oft den Wunsch, das eine Messer, welches mir außerordentlich gut gefällt, mit dem anderen, das mittels seiner Funktionalität besticht, zu verbinden – es zu meinem Lieblingsmesser zu machen!

Sprichst du mit den Entwicklern, herrscht oft das Argument vor, dass sie sich den Interessierten so gefällig wie möglich präsentieren wollen, keinen Kunden vor den Kopf stoßen möchten. So entstehen Kompromisse. Und dann denkst du, du hast sie alle gesehen und bist durch nichts mehr zu überraschen und stehst auf einmal vor einem Produkt, das scheinbar all das in sich vereint, was du begehrtest.

Das Messer liegt extrem gut in der Hand – nein, es schmiegt sich in die Wölbung deiner Innenhand, so als wolle es sich dort schnurrend wie ein Kätzchen bequem machen. Es ist so angenehm leicht, da es aus einem sehr hoch-legierten Stahl ausgestanzt, abschließend hitzebehandelt und dann von Hand in aufwendigsten Schritten mit dem Solinger Dünnschliff versehen wurde. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein. Es scheint sich jemand in meiner Gedankenwelt umgeschaut zu haben.

Seit nunmehr fünf Generationen wird die Windmühlenmesser Manufaktur in Solingen durch Familienhand geführt, ständig wird Altes mit Neuem verbunden und andauernd stellt man sich die Frage, was man noch besser machen könnte.

Der langjährige Austausch mit japanischen Meisterschmieden, das Bereisen der ganzen Welt, das Essen vor Ort und die Zubereitung dessen, führten die Geschäftsführerin Giselheid Herder-Scholz zu der Erkenntnis, dass die Vielfalt an Fischen in unseren Seen, Flüssen und Meeren auch zur Erschaffung einer unglaublichen Vielfalt von Fischmessern geführt hat. „Wie kann ich das Wissen unserer Solinger Meisterschleifer und Messermacher mit dem Wissen um die unterschiedlichen Fischtypen und den Besonderheiten in der Zubereitung verbinden und trotzdem überschaubar in unserem Sortiment bleiben?“, fragte sie sich selbst.

2016 traf sich die Chefin der Manufaktur mit einem der renommiertesten Fischköche Europas, Edwin Vinke – Inhaber des „De kromme Watergang“ in Hoofdplaat, Zeeland – und alles, was sie tat war zuhören! Und sie sah ihm auf die Finger.

Vinkes Restaurant, ausgezeichnet mit zwei Sternen im Michelin, 2017 zum besten Fischrestaurant Hollands gekürt, ist berühmt für seine Seefisch -und Plattfischkreationen. Mittels dieses speziellen Dialoges zwischen zwei Vollprofis ist eine Kleinstserie von Messern ausschließlich für den Einsatz in der Fischküche entstanden. Sea knives. Drei unterschiedliche Filetierer und ein Universalmesser. Punkt.

Reduced to the maximum.

Versehen wurden die Klingen mit Griffteilen aus wunderschönen Walnusshölzern für den emotionalen Materialfetischisten und Privatiers wie mich oder für den Einsatz in der Gastronomie mit POM Handgriffen, die dem Profi gerecht werden. Die Klingen bestechen durch die Feinheit, sind dennoch belastbar durch den extrem funktionalen Dünnschliff und das veredelnde Härteverfahren. Hart aber flexibel, die Schärfe lange innehabend und einfach nachzuschleifen

Jaaaaa, ich habe genug Messer! Dessen bin ich mir bewusst. Aber den Filetierer in 17 cm und das Universalmesser, das kann ich mir gut an meiner heimischen Magnetleiste vorstellen…

Nun gut, Weihnachten soll auch in diesem Jahr stattfinden.

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