Sudan im Winter

Von Robert Pljuscec

Land: Sudan
Zielfisch: Dogtooth Tuna, Coral Trout, GT, Triggerfish
Web: www.wildseaexpedition.com

Die Nubian Flats

Nachdem wir vier Monate in Socotra im Lockdown festgesessen hatten, befiel uns die Reiselust erneut und wir überlegten wohin es diesmal gehen könnte. Nicola Vitali (Wild Sea Expedition) plante diesmal einen Wintertrip für uns. Zunächst sah es aus, als sollte es nach Madagaskar gehen, aber diese Option fiel weg, als dort die Corona-Zahlen anstiegen und das Land die Grenzen für alle EU-Bürger schloss. Kurzentschlossen ging es also in den Sudan.

Planung

Nicola begann mit der Planung und unsere Mission war es, im Sudan Filmaufnahmen zu machen und so suchten wir ein paar weitere wagemutige, reiselustige Angler für diese Expedition zum Roten Meer. Bevor wir uns aufmachten, bekam ich ziemlich viele Nachrichten von Freunden, die mir nahe legten besser nicht zu fahren, wir kämen sowieso nicht aus Europa heraus, der Sudan wäre nicht sicher, etc… In den Sudan zu kommen war schlussendlich tatsächlich aber extrem einfach – man braucht lediglich einen negativen PCR Test zum richtigen Zeitpunkt. Es gab keine Schlangen am Flughafen, alles ging deutlich schneller als gewohnt und die Mitarbeiter waren überaus freundlich und hilfsbereit.

Bur Sudan

In Bur Sudan angekommen enterten wir unser vorbereitetes Boot, zogen unsere Turnschuhe aus und die Flip-Flops an (oder liefen gleich barfuß durch die Gegend) und entledigten uns unserer Jacken und langen Hosen. Bei 28 Grad kein Problem, das war eine deutlich komfortablere Nummer als im winterlichen Europa. Am Abend fing ich langsam an zu begreifen, und lachte: Wenn man in diesen speziellen Zeiten reist, besonders wenn man so wie wir in Afrika unterwegs ist, gibt es viele Sorgen und Gedanken, bezüglich der Pandemie selbst und von Menschen die einem nahestehen. Und jetzt stand ich plötzlich auf einem Boot im Hafen von Bur Sudan und nahm ein köstliches Abendessen bei tropischen Temperaturen zu mir. Ein unglaubliches Privileg.

Unsere erste Angeltour startete am nächsten Morgen um 5 Uhr. Ein heftiger Nordwind schüttelte das Boot ein wenig durch und unser Frühstück wartete bereits an Deck auf uns. Wenig später in der Zielbucht angekommen, sahen wir sofort, dass wir mit dem Fliegenfischen heute nicht viel erreichen würden. Das Wasser war extrem trüb und die Bucht ist bekannt für Permit und Bonefish, zwei Arten die ohnehin schon in klarem Wasser sehr schwer auszumachen sind. Also versuchten wir es mit Poppern und Jigs in der Bucht und die Fliegenfischer machten sich auf zu den bekannten Nubian Flats. In der Bucht lief es recht gut für uns, Jiggen ist hier im Sudan sogar im Winter sehr erfolgversprechend. Die Fische stehen zu dieser Zeit deutlich tiefer und dies dazu in ziemlichen Massen – viele Coral Trouts, Doggies und Moon Tail Grouper konnten gehakt werden. Die Fliegenfischer hatten weniger Glück, aber wir hofften auf bessere Spots im Verlauf der Reise. Wir zogen weiter in einem großen Bogen gen Norden, vorbei an der bekannten Dungonab-Bucht und kamen endlich an den für mich schönsten Ort der Gegend: die Bucht Marsa Kor Shinab.

Besondere Momente

Den unglaublichen Nachthimmel vom Boot aus zu beobachten ist etwas Unvergessliches – abertausende von Sternen im tintenfarbenen Firmament. Ein beeindruckendes Erlebnis, dem nur ein Ereignis nahe kommt: Die Biolumineszenz des Zooplanktons welches die Sternenbilder unter der Wasseroberfläche in unvergleichlicher Art imitiert. Tagsüber oder in der Nacht – spektakuläre Bilder sind im Sudan garantiert. Es fällt beinahe schwer, dass alles in sich aufzunehmen, weil es schlicht so überwältigend ist. Aber natürlich hat das Angeln immer noch Priorität und am nächsten Morgen starteten wir die nächsten Versuche. Auch die Spin-Angler hatten diesmal so ihre Probleme. Es gab ein paar Bisse an der Oberfläche, gefolgt von ein paar größeren Barrakudas sowie einigen Doggies und GTs, aber das Jiggen war immer noch die bessere Option – besonders die Hundezahn-Thune ließen sich so am besten befischen. In den Riffen des Roten Meeres scheinen sich die Fische enorm wohlzufühlen, sie treten hier in großen Zahlen und massiven Proportionen auf. Vorteilhaft ist auch, dass die 650 Kilometer lange Küste des Sudans komplett durch ein Korallen-Riff geschützt ist – ein besonders ergiebiger Lebensraum für alle möglichen Arten, inklusive der Haie, darunter zum Beispiel auch der bei Tauchern beliebte Hammerhai. Eine weitere interessante Spezies ist der Triggerfish, der hier in zwei Arten vertreten ist: den kleinen (cleveren) Yellow Margin und der größere (nicht ganz so clevere) Titan. Die Yellow Margins zeigen eine erstaunlich ausprägte Fähigkeit, aus erlebten Situationen zu lernen und sich anzupassen. Alle Angler in dieser Gegend wissen um ihren launenhaften Charakter und man kann nie wissen, wie sie das nächste Mal reagieren – natürlich macht sie das in den Flats zu einer besonderen anglerischen Herausforderung. Für gewöhnlich sind sie eine Spezies für Fliegenfischer, manchmal sind allerdings auch extrem aggressive Exemplare dabei, die größere Baits bevorzugt attackieren.

So verbrachten wir ein paar wirklich besondere Tage auf dem Roten Meer und kehrten dann nach Bur Sudan zurück. Unsere Klienten machten sich auf den Weg in ihr Heimatland und Nicola und ich blieben noch eine Woche in der Stadt – er zeigte mir ein paar Ecken von Bur Sudan, die ich noch nicht kannte. Der Fischmarkt z.B. ist ein echtes Erlebnis und zeigt einem die ganze Artenvielfalt des Roten Meeres auf. Napoleon- und Papageienfische liegen nebeneinander in einer Box und die Art und Weise wie hier mit den Fisch-Innereien umgegangen wird, ist sicher nichts für schwache Mägen. Am wichtigsten aber – alle Locals die wir trafen waren wahnsinnig hilfsbereit und aufgeschlossen. Und gefühlt war es in Bar Sudan sicherer als in den meisten großen Metropolen Europas.

Place and People

We spent our days on the sea mostly fishing, drinking coffee or gazing at the sky and the sea. We returned to Port Sudan in high spirits, our clients went back home and Nicola and I stayed for another week getting to know the city a bit. The fishing market is a strange and wonderful place, packed to the brim with all sorts of people and sea creatures. Napoleon and parrot fish in one box. Then the African way of dealing the leftovers, which apparently includes scattering them in the streets at random. A very exotic thing to see! Also, the locals were extremely helpful and friendly, I’d even say the place is safer than most of the big European cities.

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