Süßwasser-Wolfsbarsche auf Korsika

by Morgan Calu
Destination:  Corsica
Target Fish:  Sea Bass
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Le Loup

Der Wolfsbarsch ist mit großer Wahrscheinlichkeit der meistbeangelte Raubfisch in Europa. Man kann ihn von der Küste aus befischen, vom Boot aus und erwischt ihn an der Wasseroberfläche als auch am Grund. Von der norwegischen Nordsee bis zum marokkanischen Atlantik erstreckt sich sein Lebensraum und auch im Mittelmeer ist er überaus präsent. Dieser opportunistische Räuber lebt in allen möglichen Arten von salzhaltigen Gewässern, sei es im Meer, im Brackwasser der Flussmündungen oder auch Lagunen. Überraschenderweise zieht er manchmal aber auch recht weit ins Süßwasser flussauf.

 

Süßwasser-Wolf

‚Le loup’, französisch für Wolf, oder Ragnola, wie der Fisch im Korsischen genannt wird, ist besonders häufig an Flussmündungen anzutreffen. Für gewöhnlich kann man ihn dort beim Surfcasting oder auch mit Kunstködern erwischen. Auch in Lagunen ist er zahlreich vertreten, hier trifft man ihn in großen Zahlen zusammen mit Meeräschen. Nur durch Zufall bin ich zum erstem Mal Dicentrachus Labrax weiter oben in einem Flusslauf begegnet. An flachen Abschnitten, an denen ich üblicherweise auf Forellen fische, folgten einige Male recht große Fische meinem kleinen Forellen-Köder. Am Anfang dachte ich noch an eine neugierige Äsche, den heringsartigen Maifisch (Alose auf Französisch) oder einfach eine größere Forelle, bis mir plötzlich klar wurde, dass da ein Wolfsbarsch sein Unwesen treibt – genauer gesagt sogar drei stattliche Exemplare! Zwei von ihnen ungefähr 60cm lang, so dass ich mit meiner kleinen UL Forellen-Rute, hätte sich einer von ihnen zu einem Biss in der heftigen Strömung entschlossen, wahrscheinlich ziemlich alt ausgesehen hätte. Nun war mein Interesse geweckt und ich wollte wissen, ob sich diese Fische im Süßwasser gezielt fangen lassen.

Warum im Süßwasser?

Der Wolfsbarsch bevorzugt eindeutig das Salzwasser und ist ebenfalls sehr häufig im Brackwasser anzufinden. Es ist aber nicht ganz klar, wieso man ihn auch so weit flussauf im Süßwasser antrifft – hier ist schließlich kein Gramm Salz mehr im Wasser. Belegt ist, dass man ihn dort vorfindet, nicht nur auf Korsika, sondern in allen möglichen Regionen. Das beweisen zahlreiche Berichte. Aber warum? Offensichtlich nicht um zu laichen, wie das bei wandernden Arten wie Lachs oder Maifisch der Fall ist. Genauere Untersuchungen diesbezüglich gibt es nicht, aber man nimmt an, dass die Tiere sich diese Gebiete aufgrund der vorhandenen Nahrungsquellen erschließen und um dem zunehmenden Druck von Anglern und natürlichen Feinden wie Bluefish oder Leerfish (die den Atlantik nicht verlassen) auszuweichen. Und das Nahrungsangebot für Wolfsbarsche ist vielfältig im Süßwasser: kleine Äschen, Stinte oder Aale sind echte Leckerbissen und Forellen sind ebenso von der Partie, außerdem Frösche, kleine Nagetiere, Flusskrebse, Egel oder dahintreibende Regenwürmer – eine Menge Candies! Wolfsbarsche haben eine hohe osmotische Plastizität, ein physiologischer Fachausdruck, der ihre Anpassungsfähigkeit beschreibt. Er kann sich in sehr kurzer Zeit (kürzer als die Zeit die beispielsweise Lachse brauchen) an verschiedene Grade des Salzgehalts anpassen. Auch einer der Gründe dafür, dass man sie in Flusssystemen antrifft.

Augen auf!

In manchen Regionen Frankreichs, wie der Normandie oder der Bretagne, ist das Fischen auf Sicht auf Wolfsbarsche sehr beliebt. Die Bedingungen eignen sich dort einfach zu gut dafür: Die Fische begeben sich bei niedrigem Wasserstand auf Futtersuche, häufig in Mündungsgebieten. In ihrer Fressphase sind sie eher geneigt auch den angebotenen Köder zu attackieren. Da sie bevorzugt im Flachwasser jagen, kann man sie hier recht einfach entdecken und anwerfen. Nun ist es so, dass die stetigen Gezeiten des Atlantiks es dem Küstenangler leichter machen – im Mittelmeer ist dies anders. Die Tidenunterschiede sind nicht groß genug um auf Sicht zu angeln, die Fische tauchen nicht mit der gleichen Regelmäßigkeit an bestimmten Spots auf. Auch die Phasen, zu denen die Barsche auf Nahrungssuche gehen, variieren, weil sie weniger abhängig von der Tide sind. Außerdem ist zu konstatieren, dass die Fische im Mittelmeer, die nicht gerade in einer deaktiven Ruhephase sind, extrem vorsichtig agieren. Es kommt häufig vor, dass wir uns ihnen sehr vorsichtig nähern, unauffällig auswerfen, lautlos und präzise den richtigen Spot treffen, und der Fisch flüchtet, ohne auch nur am Köder geschnüffelt zu haben. Noch schwieriger ist es sich den Fischen ohne Probleme zu nähern. Häufig findet man sie in Aushöhlungen und an solchen Stellen präzise auszuwerfen ist schwierig, weil der misstrauische Fisch uns bemerkt, bevor man überhaupt zum Wurf kommt.
Viele Mündungen der kleinen, korsischen Flüsse sind zudem stark frequentiert und auch nicht einfach zu erreichen. Jeder Fluss ist einzigartig und bringt eigene Herausforderungen mit sich. So kam ich mit meinem Freund Kevin auf die Idee, in einem Kajak einen der „größeren“ Flüsse zu erkunden. So begann unser ambitioniertes Projekt, einen Wolfsbarsch im Süßwasser an den Haken zu bekommen.

 

Lure fishing…

Wir dachten nicht lange über die technischen Aspekte nach – das Angeln mit Kunstködern brachte uns immer Fisch, auch auf dem Atlantik funktionierte dies. Wolfsbarsche sind auf Korsika extrem begehrte Speisefische, kapitale Exemplare sind dementsprechend selten und misstrauisch. Das Mindestmaß liegt bei nur 35 cm und wird oft auch gar nicht beachtet. Regelmäßige Fänge sind hier nur am frühen Morgen oder mitten in der Nacht möglich. Intuitiv entschieden wir uns für Soft-Lures, diese sind deutlich effektiver bei schwierigen Fischen. Darüber hinaus können wir so Weedless-Montagen fischen, flussabwärts schwimmt einfach zu viel Krat und Unrat und es gibt sehr viele weitere Köderfallen in diesem heiklen Terrain. Wir entschieden uns, eine Strategie zu adaptieren, welche beim Angeln auf Schwarzbarsche (die ja gerne zwischen Pflanzen stecken) immer gut funktioniert hatte. Die Strömung bietet sich an für schnelle Platzwechsel und man kann einen Spot zügig abscannen. Häufige Wechsel der Spots waren erforderlich um die Fische möglichst rasch zu einer Reaktion zu provozieren. Ideal hierfür waren Jigköpfe mit Texas-Hooks, die sich rhythmisch und lebendig bewegen. Die feinen, weichen Baits sinken schneller als Shads und ihre Bewegungen sind nervöser, zuckender und damit provokanter – sie eignen sich hervorragend um misstrauische Fische aus ihren Verstecken zu locken. Baits, die kleine Fische von 10 – 13cm imitieren, sind hier ideal für die Wolfsbarsche.
Es klingt vielleicht paradox, aber wir ziehen Spinnruten den Baitcastern bei dieser Art des Angelns vor. Das hat damit zu tun, dass man häufig aus dem Handgelenk auswirft und dies manchmal, bei ungünstigen Platzverhältnissen, auch gar nicht anders funktioniert. Üblicherweise nehmen wir hierfür M bis MH Ruten, mit extra Fast-Action und Spitzenaktion, zwischen 2,1 und 2,25 m Länge. Die Rollen sind hoch übersetzt bei Größen zwischen 2500-4000 und mit 4-Strand-Geflecht (weniger Abrieb) sowie einem Fluorocarbon-Vorfach (8-12 lbs) bestückt.
Wir starteten unsere ersten Versuche vom Kajak aus, ließen uns von A nach B flussab treiben und waren beeindruckt von den Eindrücken, dem ruhigen Treiben kombiniert mit der langsam steigenden Aufregung und der einzigartigen Flusslandschaft um uns rum. Fast hatten wir das Gefühl, die ersten und einzigen zu sein, die diesen Flussabschnitt befischten. Leider hatten wir für diesen Ausflug mit der Ausrüstung etwas übertrieben. Zwei Autos, zwei Kajaks, Rettungswesten, das ganze Tackle – das alles war irgendwie doch sehr aufwendig und so entschieden wir uns beim zweiten Mal, es wieder vom Ufer zu versuchen. Damit fingen wir quasi fast wieder bei Null an, insbesondere an Uferabschnitten deren Struktur wir nicht kannten und keine Ahnung hatten, ob überhaupt Wolfsbarsche anwesend waren. Doch wir hatten Glück: Wir fanden einen kleinen, idealen Fluss mit zugänglichen Böschungen und beißwilligen Wölfen.

 

And finally…

Die ersten Tests zahlten sich gleich aus und regelmäßig konnten wir vierzig bis sechzig Zentimeter Exemplare fangen. Wir suchten nach weiteren Spots um unsere Herangehensweise zu perfektionieren. Die besten zeitlichen Perioden sind im Frühling, wenn sich die Meere erwärmen und die Flüsse noch kühler und sauerstoffreicher sind. Dann im Herbst, wenn die ersten Jungtiere kommen, besonders bei Regen sind die Fische jetzt aktiv. Auch die Stunden um den Höchststand der Flut im Atlantik treibt die Fische in die Flüsse. Oft ziehen sich die Wolfsbarsche in ihre Verstecke zurück, die die ganzen Hindernisse die Flüsse so mit sich bringen: Baumstümpfe, Geäst und Pflanzen. Wenn das Wasser seinen Höchststand erreicht hat, sind oft kaum Fische in der Flussmitte unterwegs. Das atypische Revier und die Präzision und Methodik, die es braucht um in Korsikas Flüssen Wolfsbarsche zu befischen, die Schönheit der hiesigen Natur und nicht zuletzt auch die Härte der Bisse sorgen dafür, dass wir heute fast nur noch auf „Le Loup“ im Süßwasser angeln.

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