Der stille Pfad des Hobie-isten

Von Frank Steinmann
Fotos: Frank Steinmann, Daniel Göz

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Der stille Pfad des Hobie-isten 

Während am Horizont langsam die Sonne emporklettert und am Himmel ein prachtvolles Farbspektakel inszeniert, hüllt mich Stille ein, die nur durch das leichte Plätschern der Ozeandünung gegen den Rumpf meines Kajaks unterbrochen wird. Reiher, Pelikane und Löffler gleiten schemenhaft wie Geister durch das Zwielicht und verschwinden alsbald zwischen den Mangroven. Es ist noch angenehm kühl und ich sauge die warme, tropische Luft gierig ein, mit all ihren Gerüchen von Leben und Wachstum, wohlwissend, dass mich zu Hause in Deutschland nach meiner Rückkehr der faulige Odem des Herbstes mit all seiner Novemberzerstörung erwartet.

Im nächsten Moment wird die Stille jäh unterbrochen, als mit heulendem Motor ein Sportboot an mir vorbeirast. Beleuchtet wie ein kitschgeplagtes Fenster im vorweihnachtlichen sozialen Wohnungsbau, schreit und speit es eine Kakophonie von Geräusch und Gestank hinaus in die Dämmerung. Ich kann an Bord einige Pensionäre mit Bierdosen in der Hand erkennen, die im Achselshirt lauthals gestikulierend an mir vorbeifliegen. Ihre Angelruten stehen kampfbereit und erigiert an der Reling, sie stürmen durch das Inlet in Richtung der offenen See, um dort noch mehr Unruhe unter den silbrig glänzenden Meeresbewohnern heraufzubeschwören. Wütendes Kreischen begleitet die Reiher, die aufgeschreckt durch das Getöse das Weite suchen. Ich wende mein Kajak und folge ihnen leise in das Dickicht der Mangrove, wo Luftwurzeln und Blattwerk den Lärm dämpfen und ich die Stille wiederfinden kann.

aerial shot by Jeffrey Fortuna

Basecamp, Editorial Staff und Erdbeerbarsch

Wir befinden uns in Florida, genauer gesagt an der Golfküste im Osten des Bundesstaates bei Punta Gorda. Englewood Beach, heißt das palmengesäumte kleine Örtchen mit seinen bunten Holzhäusern, den unzähligen Docks und endlos weiten Sandstränden, die übersät sind mit allerlei Fundstücken vom Haus der Meeresschnecke, über filigrane Muschelschalen bis hin zu archaischen, versteinerten Haifischzähnen. Ein Paradies für jedes Kind, das sich all seinen Reizen, im Sand wühlend, hingeben kann. Hobie lud uns Journalisten zur jährlich stattfindenden „Writer´s Conference“ ein, einer Veranstaltung, die uns die Möglichkeit gibt, eine Woche lang vom Kajak zu fischen, Hobies Innovationen kennen zu lernen und den internationalen journalistischen Austausch anzustreben. Begleitet werde ich von Gero Priebe, der die europäische Vertretung Hobies stellt sowie meinem Freund Daniel Göz, der selbst ein begnadeter Fotograf ist und die Synergien der Bildakquise sicherlich vorantreiben wird. Es ist schön eine Handvoll Redakteure und Autoren von renommierten US-Printmagazinen wiederzusehen, nachdem unser letztes Treffen in Florida mehr als drei Jahre zurückliegt.
Am Vorabend des eigentlichen Events speisen wir gemeinsam in einem netten Fischrestaurant, das unmittelbar in Docknähe gelegen, einige erste Blicke auf große, im Schein der Unterwasserbeleuchtung lauernde Snook und Redfish zulässt, während wir auf sautierten Erdbeer-Grouper, kreolischen Hogfish, Mahi Mahi Tacos und Coconut Shrimp warten.
Ein Condo, welches nur einen Steinwurf vom Meer entfernt liegt, ist unser Heim für die kommende Woche. Wir rüsten uns spät abends noch mit allerlei Ködern, Outdoor Gadgets und weiteren nützlichen Utensilien aus, die uns von den großzügigen Sponsoren des Events zur Verfügung gestellt werden. Es sieht aus wie in einem Tackle Shop, Unmengen von Soft- und Hardbaits, Vorfachspulen, Jigheads und Balanced Hooks wandern in unsere Taschen. Der klimatisierte Schlaf, begleitet vom Rauschen des Golfs von Mexiko hält nicht lange an, im Morgengrauen soll es losgehen.

Mit 360° durch die Mangrove

Da bin ich nun auf meinem 14 Fuß langen Kajak, die Steuerung ist ähnlich wie das Radfahren, einmal gelernt, nie mehr vergessen. Ich genieße die Wendigkeit und Leichtigkeit, mit der ich mich fortbewegen kann. Hobie hat mit der steten Weiterentwicklung seiner Highend-Kajaks einen weiteren Meilenstein erschaffen, der es mir ermöglicht, mein Pro Angler in einer vollen 360 Grad Bewegung auf der Stelle zu drehen. Mehr Manövrierfähigkeit geht nicht und gemeinsam mit der Option vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang zu wechseln, lässt die Steuerung keine Wünsche offen.


Wir starten als kleine Gruppe, die sich bald zu winzigen bunten Punkte in den Weiten der mangrovengesäumten Kanäle verliert. Wir fischen hier in den Flats um Redfish und Snook zu fangen. Durch das Inlet gelangt beim Gezeitenwechsel stets frisches Meerwasser in diese Zone und das bringt Futter und Leben mit sich. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt hier weniger als einen Meter. Der sandige, stellenweise schlickige Boden ist von Seegras bedeckt. Im Gewirr der Mangrovenwurzeln tummeln sich Myriaden von Jungfischen, die hier geschützt heranwachsen, bevor sie sich ins offene Meer wagen. Noch vor kurzem herrschte hier eine ökologische Katastrophe als die „Red Tide“, eine toxische Algenblüte, die durch überdüngtes Wasser von den Zuckerrohrplantagen aus dem Norden des Landes bis hier gespült wurde, viele Lebewesen vernichtete. Es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell sich ein Ökosystem wieder erholen kann, wie sich das Leben einen Weg sucht.
Ich gleite lautlos in einigen Metern Abstand zum Ufer und werfe meinen Softjerk, den ich an einem Balanced Hook weedless zwischen den bizarr anmutenden Wurzeln der Mangrove fische. Ich habe fast vergessen, wie ungemein stark Salzwasserfische der Tropenzone sein können, als ein kleiner Crevalle Jack meinen Köder schnappt, zornig schlägt er das Wasser schaumig und knurrt mich an indem er seine Zähne und Schwimmblase zur Erzeugung dieses Geräusches verwendet, während ich ihn vorsichtig vom Haken löse. Daniel und Gero fangen ebenfalls einige schöne Snapper, Redfish und den im Geäst lauernden Snook.
Überall um mich herum ist Leben, springende Meeräschen, Reiher und Fischadler säumen meinen Weg, ein großer Tümmler bringt seinem nur wenige Wochen alten Jungen das Jagen im Flachwasser bei. Ich halte inne und beobachte ihr Treiben. Deutlich kann ich die quietschenden Geräusche ihres Sonars vernehmen. Während Mama die Meeräschen ins Flachwasser treibt, wo sie sie auf der Seite liegend aufklaubt, bleibt das Jungtier in sicherem, tieferem Wasser und beobachte das spritzende Spektakel. Ich erfreue mich an diesem Naturschauspiel, das den Gesellen auf ihrem lärmenden Speedboot verborgen bleibt.


Auf der Suche nach ein paar gößeren Redfish befahren wir die Flats, die das Gebiet vom offenen Meer abgrenzen, die Kajaks sind ideal, um im flachen Wasser Strecke zu machen. Kein Motorboot schafft es hier über den sandigen Seegraswiesen zu manövrieren. Treffen die Finnen, die meinem Hobie zum Antrieb dienen auf Widerstand, wie etwa Totholz oder größere Steine, klappen sie einfach zur Seite und schmiegen sich an den Rumpf des Kajaks, somit steuere ich sicher über selbst große Hindernisse.

Redfish und Linse, ein Gedicht

Der Redfish ernährt sich von allerlei Getier, von Muscheln, Austern und Garnelen, Krebsen und Fischen. Wir finden einen Trupp größerer Exemplare, der in der Mittagsglut in einer Bucht mit etwas tieferem Wasser herumlungert. Zu meinem Favoriten hat sich ein kleiner gelber Wakebait entwickelt, der mit lautem Rasseln und wildem oberflächennahen Ausbrechen neben dem Snook auch etliche Redfish verführt hat. Auch jetzt sehe ich eine große Bugwelle, die dem Köder hinterher schießt, ein großer Red hat es auf ihn abgesehen, im letzten Moment allerdings wird er von einem kleineren Artgenossen überholt, der sich die Beute dann auch einverleibt. Es ist ein starker Fisch, der sich im Drill wenig nachgiebig zeigt. Wie ein Bulle, ungestüm und unaufhaltsam versucht er in das Wurzelgeflecht der Mangroven zu entkommen. Der Wendigkeit des Kajaks hat er allerdings wenig entgegenzusetzen und findet sich alsbald zu einem kurzweiligen Fototermin für ein Unterwassershooting ein. Auch diese logistische Herausforderung, eine umfangreiche Fotoausrüstung unterzubringen, meistert das Kajak phantastisch! Ich habe Platz für einen kompletten Fotorucksack mit Wechselobjektiven und kann sogar noch das monströse Unterwassergehäuse sicher verstauen.

17 km ftw

Die Zeit in Florida verfliegt, wir verbringen gesellige Abende gefüllt mit Essen und Trinken. Es wird gegrillt, der legendäre „Shrimp Boil“ zelebriert, ein Gericht, das sich aus dem Einfluss des Nordens und der kreolischen Küche entwickelt hat. Maiskolben, Kartoffeln, Shrimp und Hartwurst werden zu einem würzigen Eintopf vereint. Das Leben ist schön in diesen Momenten von Geselligkeit unter Gleichgesinnten. Wir legen am Tag im Schnitt 17 km mit den Kajaks zurück, das ist sportlich, aber nicht kräftezehrend. Kurze Driften, die wir stehend absolvieren, um nach den großen Snook im klaren Wasser Ausschau zu halten, dienen zur Entspannung. Die aggressiven Raubfische reagieren vehement auf unsere Topwaterköder und saugen sie laut hörbar ein. Ihr hartes Maul bietet den Haken wenig Halt und die wilden Sprünge der Tiere führen oft zu deren Verlust, nach bereits mehreren Minuten des Drills. Aber bei hunderten von Takes in der gesamten Woche ist ein verlorener Fisch kein Manko.
Reizvoll sind die bunten Abende, die die untergehende Sonne uns beschert, im schwindenden Licht schnappen kleine Lane Snapper und Grouper nach meinen Ködern. Mehr als 19 Arten habe ich in der letzten Woche gezählt, ein Beweis für die Wichtigkeit des Refugiums Mangrove im ökologischen Sinne. Unmittelbar neben meinem Kayak höre ich ein lautes Schnauben und vermute zunächst einen Tümmler, der an mir vorüberzieht, aber es ist ein Manati, eine Seekuh, die hier in den Kanälen Ruhe sucht, genau wie ich. Schutz vor dahinrasenden Motorbooten, Party People und Jetski. Gemächlich beäugt sie mich, kaum scheu und friedlich. Nicht unmittelbar eine Meerjungfrau mit ihrem plumpen Leib, aber eine possierliche, liebevolle Kreatur. Die letzten Pelikane verlassen das offene Meer und ziehen über mich hinweg zu ihren Schlafplätzen. Ich genieße die Stille und gleite weiter durch den grünen Mangrovenwald in Richtung Dock.

Destination Punta Gorda

Es war eine phantastische Zeit auf dem Wasser, ich erneut komplett begeistert von der Qualität und Funktionalität der Hobie Kajaks, das neue Pro Angler 360, aber auch das leichte und flotte Passport sind phantastische Angelkajaks. Wir haben eine Vielzahl von Fischen gefangen und uns in die Natur, die uns umgab eingefügt. In Stille und Solitüde. Diese Erfahrung bleibt der Motorboot-Fraktion wohl stets verborgen.
Wer die Region Punta Gorda selbst besuchen möchte, um dort zu fischen oder einen schönen Familienurlaub oder im Idealfalle sogar beides miteinander zu verknüpfen, der wird auf der Homepage von Englewood Beach und Umgebung mit allen notwendigen Informationen versorgt. Jennifer Huber, die als Public Relations Manager fungiert und auch uns vor Ort liebevoll betreut hat, steht euch mit Rat und Tat zur Seite. Der nahegelegene Flughafen in Fort Myers ist nur 1,5 Stunden entfernt. Neben der Fischerei ist die Region bekannt für das Golfen, die bereits erwähnten weißen Sandstrände, gutes Essen und für Shopaholics die Option in den Malls von Fort Myers zu wüten. Einen martialischen Bass Pro Shop gibt es dort im Übrigen auch.
Und wer schlussendlich Stille sucht und ein Fortbewegungsmittel, das ihn und seine Angelausrüstung sicher zum Fisch bringt, der sollte unlängst den nächstmöglichen Händler aufsuchen und eine Probefahrt anberaumen. Willkommen auf dem stillen Pfad des Hobie-isten. (fst)

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